Experteninterview zum Thema bakterielle Vaginose

Im Mittelpunkt des folgenden Expertengesprächs steht die bakterielle Vaginose als eine der häufigsten Störungen des mikrobiologischen Gleichgewichts in der Flora der weiblichen Scheide. Das Interview beleuchtet die Krankheitsmerkmale, klärt Ursachen und Symptome und gibt Tipps für den richtigen Umgang mit der Erkrankung.

Bevor es ins Detail geht: Wie lässt sich die bakterielle Vaginose in drei Sätzen charakterisieren?

Die bakterielle Vaginose entsteht durch eine Störung des Gleichgewichts im Ökosystem der Scheidenflora. Die Beeinträchtigung der mikrobiologischen Balance ist für sich genommen kein schweres Leiden, kann aber krankmachenden Keimen die Tür zu den höher gelegenen Organen des Geschlechtsapparats öffnen. Die Wissenschaft kennt unterschiedliche Risikofaktoren, die den Aufruhr im Scheidenmilieu begünstigen – dazu zählt auch Geschlechtsverkehr, obwohl es sich nicht im engeren Sinne um eine Geschlechtskrankheit handelt.

Was ist unter dem Ökosystem der Scheidenflora zu verstehen?

Die menschliche Haut und Schleimhaut sind dicht von einer Vielzahl nützlicher Mikroorganismen besiedelt. Die weibliche Scheide macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme. In der Vaginalflora gesunder Frauen dominieren in der Regel Milchsäurebakterien – auch Laktobazillen genannt – die ihren Lebensraum gegen Vertreter anderer Bakterienstämme erfolgreich behaupten. Indem sie ihre Umgebung kontrollieren, verhindern die Laktobazillen die Ausbreitung schädlicher Keime und schützen so die Gesundheit der Fortpflanzungsorgane. Wenn die Milchsäurebakterien in der Scheide ungestört gedeihen, befindet sich das Biotop der Scheide in einem ausgeglichenen Zustand.

Mit welchen Eigenschaften verhindern Laktobazillen die Ausbreitung potenziell krankmachender Keime?

Laktobazillen fühlen sich besonders wohl, wenn die Scheidenzellen unter dem Einfluss des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen Zucker einlagern. Die Milchsäurebakterien verwerten den Zucker und setzen als Stoffwechselprodukt – getreu ihrem Namen – Milchsäure frei. In der Scheide entsteht dadurch ein saures Milieu und der pH-Wert sinkt auf etwa 3,8 bis 4,4. Diese Umgebungsbedingungen missfallen anderen Bakterienstämmen.

Inwiefern trägt der niedrige pH-Wert dazu bei, Krankheitserreger abzuschrecken?

Nicht nur der Säuregrad selbst setzt unerwünschten Bakterien zu. Vielmehr trägt der unter die Grenze von 4,5 sinkende pH-Wert zur Aktivierung der körpereigenen Keimabwehr bei und regt die Zellen der Scheidenschleimhaut und des Immunsystems dazu an, Stickstoffmonoxid (NO) freizusetzen. Der Stoff wirkt desinfizierend und hält krankmachende Bakterien und Viren in Schach. Um das System perfekt zu machen, sind einige Lactobacillus-Stämme in der Lage, Wasserstoffperoxid (H2O2) zu bilden, das ebenfalls schädigende Effekte gegenüber Krankheitserregern entfaltet. Bei der bakteriellen Vaginose geht es folglich um eine Störung des Scheidenmilieus, die die natürlichen Abwehrmechanismen außer Kraft setzt und der Entfaltung potenziell krankmachender Erreger Vorschub leistet.

Welche Ursachen stecken hinter einer solchen Störung?

Auslöser ist ein plötzlicher Rückzug der Milchsäurebakterien. Als Folge steigt der pH-Wert und das Scheidenmilieu verliert seine Abwehrfähigkeit. Andere Bakterienstämme, die zuvor schon vorübergehend und in geringer Zahl die Scheide besiedelt haben, sehen ihre Chance gekommen und beginnen, sich stark zu vermehren.

Es war bereits vom Geschlechtsverkehr als Risikofaktor für die Entstehung einer bakteriellen Vaginose die Rede. Welche Einflüsse können sonst noch für den Rückgang der Laktobazillen verantwortlich sein?

Psychosozialer Stress gilt als großer Störenfried, wenn es um das empfindliche Gleichgewicht der Scheidenflora geht. Die Wissenschaft beobachtet auch einen Zusammenhang zwischen einer geschädigten Mundflora bei Parodontitis und der bakteriellen Vaginose. In der Schwangerschaft zählt Vitamin-D-Mangel zu den Risikofaktoren.

Welche Bakterienstämme profitieren, wenn die Laktobazillen sich zurückziehen?

Bei bakterieller Vaginose fällt sogleich der Name des Bakterienstamms Gardnerella vaginalis. Weitere Keimfamilien, die meist anaerob leben, also unter Ausschluss von Sauerstoff, haben so bunte Namen wie Atopobium vaginae, Megasphaera, Dialister, Mobiluncus oder Prevotella.

Wie macht sich eine bakterielle Vaginose bemerkbar?

Etwa 50 Prozent der betroffenen Frauen verspüren keinerlei Beschwerden. In den übrigen Fällen machen grau-weißlicher Ausfluss mit unangenehm fischartigem Geruch, Juckreiz sowie Brennen beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr auf die aufrührerische bakterielle Aktivität aufmerksam.

Was ist zu tun, wenn derartige Symptome auftreten?

Auf keinen Fall zögern, sondern umgehend aktiv werden. Ein Selbsttest aus der Apotheke bietet zusammen mit den Symptomen eine erste Orientierung. Er ist das Mittel der Wahl, um zunächst den pH-Wert der Scheide in Eigenregie zu bestimmen. Signalisiert der Test einen hohen pH-Wert, kann ein örtlich wirksames Vaginalgel, das auf der Grundlage von Milchsäure wirkt, Linderung bringen.

Wie kann ein lokal eingesetztes Vaginalgel die Beschwerden lindern?

Ein örtlich in der Scheide angewendetes Vaginalgel bekämpft die Symptome, indem es vermehrtem Ausfluss und unangenehmer Geruchsentwicklung entgegenwirkt. Darüber hinaus trägt die als Wirkstoff enthaltene Milchsäure zu einer Normalisierung des pH-Werts und damit zu einer Erholung des mikrobiologischen Gleichgewichts im Scheidenmilieu bei. Zusätzlich leistet ein Probiotikum einen entscheidenden Beitrag zum Wiederaufbau der Scheidenflora.

Welchen Effekt haben Probiotika?

Probiotika werden bei häufig auftretenden Störungen des Vaginalmilieus in der Darreichungsform als Vaginalkapseln angewendet und enthalten lebende Milchsäurebakterien. In die Scheide eingebracht, helfen die Laktobazillen, das natürliche mikrobiologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Das ist umso wichtiger, wenn es Bakterien wie Gardnerella vaginalis gelungen ist, sich auf der Scheidenschleimhaut zu einem schwer angreifbaren Biofilm zusammenzuschließen.

Zu guter Letzt: Welche drei Empfehlungen sollten Frauen bei bakterieller Vaginose beherzigen?

Stress bewusst zu bewältigen und das Immunsystem zu stärken. Die Behandlung der bakteriellen Vaginose nicht aus falscher Scham auf die lange Bank zu schieben. Bei unklaren Symptomen einen Arzt aufzusuchen – insbesondere in der Schwangerschaft oder wenn chronische Erkrankungen bestehen.

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Letzte Änderung: 25.01.2017

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Hinweis für Creme: Enthält Cetylstearylalkohol. Bitte Packungsbeilage beachten.
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