Die richtige Intimhygiene – Mythen und Wahrheiten

March 27, 2017

Caro und Miriam wollten mal was Neues ausprobieren und haben sich zum Aerial Yoga verabredet. Bei dieser Spielart werden Yoga-Übungen in einem von der Decke hängenden Tuch ausgeführt. Weil sich die beiden Freundinnen wegen Miris Nasennebenhöhlenentzündung länger nicht gesehen haben, müssen sie sich auf dem Weg zum Studio natürlich erstmal auf den neuesten Stand bringen. Dabei kommt raus, dass Miriam zurzeit noch etwas anderes „Neues ausprobiert“.

„Ich habe doch tatsächlich zum ersten Mal Scheidenpilz bekommen. Es juckt genauso, wie Du das immer beschreibst. Horror.“ Als Caro das hört, meint sie nur leicht fatalistisch: „Tja, gute Freundinnen teilen halt alles.“ Miriam weiß sofort, was Caro meint. Die Arme leidet öfter unter Scheidenpilz und ist einfach nur genervt, da es sie wieder getroffen hat. „Ich achte doch schon immer total gut auf meine Intimhygiene. Ich wasch mich häufig und gründlich. Und trotzdem...“ seufzt Caro frustriert. Weil Miriam keine Erfahrung hat, ist sie ein bisschen verunsichert. Sie fragt sich, was sie wohl falsch gemacht haben mag. Hat sie sich vielleicht auch zu wenig gewaschen? Oder hat das was mit den Antibiotika zu tun, die sie wegen ihrer Nebenhöhlen nehmen musste?

Was Miriam und vor allem Caro nicht wissen: Normalerweise ist die Intimzone einer Frau von Natur aus gut behütet. Die Scheidenflora schützt in gesundem Zustand relativ zuverlässig vor Infektionen im Intimbereich wie z. B. Vaginose oder Scheidenpilz. Gewisse Bakterien sorgen für einen niedrigen pH-Wert von circa vier im Intimbereich. Dieses saure Scheidenmilieu schützt vor Infektionen durch schädliche Keime. Und auch wenn es Caro überraschen würde: eine Infektion geht sehr selten auf mangelnde Körperhygiene zurück. Im Gegenteil...

Der pH-Wert macht den Unterschied

Nach dem Kurs sitzen Miriam und Caro geschafft und entspannt im Umkleideraum. „Das hat richtig Spaß gemacht – wenn da nur nicht dieses infernalische Jucken gewesen wäre.“ Caro hat schon die Lösung parat: „Komm Miri. Wir gehen duschen und rücken dem Pilz mal gründlich auf die Pelle. Das wird schon irgendwie gegen das Jucken und Brennen helfen...“

Leider unterliegt Caro einem fatalen Irrtum. Auch wenn die Intimwäsche im ersten Moment sehr wohltuend wirkt – sie bewirkt das Gegenteil dessen, was Caro erreichen will. Normalerweise wäre es ausreichend, wenn sie sich den Schambereich täglich mit klarem, lauwarmem Wasser reinigen würde. Damit fühlt sich Caro – wie so viele Frauen – jedoch unwohl. Sie greift lieber zu Duschgel. Umso wichtiger wäre es dann, wenigstens auf das richtige Intimhygieneprodukt zu achten. Eine zu intensive Intimpflege und der Gebrauch der falschen Seife stören das empfindliche Gleichgewicht der Scheidenflora. Und das macht den Intimbereich schnell zur Zielscheibe für Pilze und Bakterien. Was Caros wiederkehrende Probleme erklären könnte.

Das Ziel jeder Intimpflege sollte eine sanfte Reinigung und die Aufrechterhaltung des sauren pH-Wertes sein. Normale Duschgels oder Seifen haben meist einen pH-Wert zwischen 9 und 11. Ein so hoher Wert schädigt den natürlichen Säureschutzmantel des Intimbereichs. Viel besser eignen sich spezielle Intimwaschlotionen mit niedrigem pH-Wert, die Rücksicht auf das mikrobiologische Gleichgewicht der Scheidenflora nehmen.

Lieber öfter Wäsche waschen

An anderer Stelle wäre Caros „Reinigungsfimmel“ absolut angebracht. Waschlappen für die Intimhygiene sollten z. B. möglichst täglich gewechselt und bei mindestens   60 °C gewaschen werden – oder alternativ bei niedrigeren Temperaturen mit Hygienespüler. Täglich wechseln und heiß waschen gilt auch für die Handtücher, mit denen der Vaginalbereich sorgfältig abgetrocknet werden sollte. Wenn Frau all dies beachtet, hat sie schon viel für das empfindliche Gleichgewicht ihres Scheidenmilieus getan. Allerdings ist die Schutzfunktion der Scheidenflora manchmal auch anderen „Angriffen“ ausgesetzt – zum Beispiel der Einnahme von Antibiotika. Diese bekämpfen nicht nur die „bösen“ sondern oft genug auch die „guten, schützenden“ Bakterien in der Scheide. War da nicht was mit Miriam...?

Beim Duschen macht Caro dann wirklich keine halben Sachen. Ihrem ausführlichen Pflege- und Reinigungsritual fällt diesmal auch ihre Intimfrisur zum Opfer. „Der Irokese muss weg“ denkt sie sich und rasiert sich komplett. Miriam und Caro sind sich einig: „Unten ohne“ fühlt sich einfach viel sauberer an.

Und irgendwie trügt das Gefühl die beiden diesmal nicht. In der Intimbehaarung können sich tatsächlich schädliche Bakterien oder Pilze einnisten. Allerdings ist dies der klassische Fall einer Medaille mit zwei Seiten. Bei einer Rasur – und erst recht beim Waxing – entstehen kleinste Verletzungen der Haut. Diese Mikrofissuren können allerdings auch zu Eintrittspforten für Infektionen werden.

Beim Abtrocknen bemerkt Miriam, dass sie frische Wechselunterwäsche vergessen hat. „Oh no! Jetzt muss ich auch noch meinen verschwitzten Slip anziehen.“ „Typisch Miri“, denkt Caro. Aber wie so oft hat sie noch eine zweite frische Unterhose dabei. „Ich schätze, mit der Unterhose bringst Du eher Deinen Freund ins Schwitzen.“ Strahlend hält sie Miri einen raffinierten Spitzenslip aus Kunstfaser hin.

Wenn sich Caro da mal nicht irrt. Na klar: nach dem Sport einen frischen Slip anzuziehen, ist genau richtig. Allerdings sollte dieser dann auch aus dem richtigen Material sein. Unterwäsche aus Kunstfasern ist leider nicht sehr atmungsaktiv. Deshalb wird der Slip eher Miriam als ihren Freund ins Schwitzen bringen. Und ein feucht-warmes Klima im Intimbereich bietet dem Scheidenpilz ideale Bedingungen, sich zu vermehren. Zudem dürfen Kunstfasern nur bei niedrigen Temperaturen gewaschen werden. Dadurch bleiben Pilze oder Bakterien im Material zurück – es sei denn, man benutzt Hygienespüler. Generell sollte Caro auf Wäsche aus Baumwolle setzen. Die leitet die Feuchtigkeit ab und kann hygienisch sauber bei 60° gewaschen werden. Ganz nebenbei bemerkt sollten auch Tampons, Binden und Slipeinlagen häufig gewechselt werden.

Nach dem Sport verabschieden sich Caro und Miriam vor dem Studio. „Und denk dran Schätzchen. Hol Dir in der Apotheke eine 1-Tages-Kombitherapie gegen Scheidenpilz. Die hilft mir auch immer schnell und zuverlässig.“ Klingt gut. Trotzdem entschließt sich Miriam, lieber zu ihrem Gynäkologen zu gehen. Zum Glück hat er heute lange Sprechstunde. Sie will einfach Sicherheit. Wer weiß, was sie wirklich hat. Schließlich leidet Caro trotz ihrer Reinlichkeit regelmäßig unter Scheidenpilz. Irgendwas stimmt da doch nicht. Und hat sie nicht irgendwann mal etwas über die Nebenwirkungen von Antibiotika gelesen? Doch, zum Arzt zu gehen ist das Vernünftigste, was sie jetzt tun kann.