Sexualität ist für die Frau von heute längst kein Tabuthema mehr. Selbstbewusster als es noch ihre Mutter war, spricht „Frau“ heute meist offen über ihre Liebeslust und ihren Sexfrust. Sex ohne Liebe? – darüber wird sogar in der Öffentlichkeit diskutiert und macht vor allem den jüngeren unter ihnen Spaß. Und wenn in bundesdeutschen Schlafzimmern Langeweile herrscht, liegt es nicht immer an der Frau. Denn rund 40 Prozent der 20-bis 29-jährigen Frauen in Deutschland können nicht auf Sex verzichten oder wünschen sich sogar mehr Sex. Zählen die eigene Lustlosigkeit, die Menstruation, allgemeines Unwohlsein und zu viel Stress zwar immer noch zu den häufigsten Sexkillern, gibt immerhin eine von drei Frauen die mangelnde Lust des Partners als einen der wichtigsten Gründe an, keinen Sex zu haben. Die Mär vom Sexmuffel Frau ist daher längst überholt.
Dies sind die Ergebnisse des Gyn-Reports, einer Befragung von rund 500 Frauen im Alter ab 14 Jahren, die Auskunft über ihr Verhältnis zur Sexualität und zu ihrem Körper gaben. Er fand in Anlehnung an den Hite-Report statt, der in den 70er Jahren für großes Aufsehen sorgte. Damals befragte die Forscherin Shere Hite 3000 Frauen zu ihrer Sexualität. Das Ergebnis zeigte, dass die sexuelle Revolution der 60er Jahre bei den Frauen nachhaltige Spuren hinterlassen hatte. Trotzdem hatten sich die Frauen noch nicht von allen sexuellen Tabus befreit. Heute – 30 Jahre später sind weitere Tabus gefallen – jedoch längst nicht alle.
Insbesondere Erkrankungen im Intimbereich zählen auch heute noch zu den Tabuthemen. Mehr als 70 Prozent der Frauen empfinden eine Vaginalpilzinfektion als peinlich, geschweige denn können offen mit einer Freundin oder dem Partner über dieses Thema sprechen. „Ist eine mangelnde Hygiene daran Schuld?“, „Habe ich mich möglicherweise beim Geschlechtsverkehr angesteckt?“ oder „Geht mein Partner etwa fremd?“, fragen sich auch junge Frauen von heute noch und sind extrem verunsichert. Diese Unsicherheit ist jedoch völlig unbegründet, denn Pilzerkrankungen des Intimbereichs haben weder etwas mit fehlender Hygiene zu tun, noch gehören sie zu den Geschlechtskrankheiten. Eine Übertragung durch Sex kommt nur in den seltensten Fällen vor. Und somit darf auch dem Partner in dieser Situation kein Vorwurf gemacht werden, denn eine Pilzinfektion ist kein Indiz für Untreue.
Scham und Unwissenheit können somit gravierende Folgen haben. Sie sorgen nicht nur für eine zunehmende Verunsicherung der Frau, sondern verhindern auch den aufklärenden Umgang mit dem Thema und tragen zu seiner Tabuisierung bei. Alles Gründe, die aufzeigen, wie wichtig es ist, mit diesem Tabu aufzuräumen. Darum ist es wichtig, über das Thema zu sprechen. Tauschen Sie sich mit Ihren Freundinnen aus oder sprechen Sie mit Ihrer Apothekerin! Sie werden sehen: Sie stehen mit diesem Problem nicht alleine da. Vaginalpilz betrifft viele Frauen, aber dank moderner Therapiemethoden ist eine Selbstbehandlung heute einfach.